63. Name dropping (mit Namen spielen)

Cartoon von Jals Smolinski

Verfasser: Alexander Hoffmann / Erich Gerber

Rotarier Kaspar Manz war neu im RC Redliwil und fühlte sich ein wenig unbeachtet. Da wurde er zusammen mit 500 andern Mitgliedern des Schweizerischen Roten Kreuzes zwecks Ehrung ihres Engagements vom Bundesrat nach Bern eingeladen. Er durfte Bundespräsident Alain Berset kurz die Hand schütteln, der gutgelaunt sagte: „Heute haben wir ja schönes Wetter.“ Manz nickte.


Zurück aus der Hauptstadt meinte er beiläufig im Club: „Kürzlich in Bern hatte ich eine angeregte Unterhaltung mit dem Herrn Bundespräsidenten. Der war ganz meiner Meinung.“
Das Ansehen von Kaspar Manz im Club schoss nach oben, immer mehr Freundinnen und Freunde suchten seinen Rat und seine Nähe.
Doch dann erwuchs ihm seitens von Fritz Mühsam ein Konkurrent. Der ließ in einem Meeting en passant die Bemerkung fallen: „Xaver Vonmoos ist besorgt: Er glaubt nicht an die Vertiefung der EU.“
Wer war Vonmoos? Das fragten sich alle. Fritz setzte bald einen drauf und murmelte selbstbewusst: „Xaver hat eine Idee, wie man den Brexit rückgängig machen kann.“
Schließlich verkündete Fritz Mühsam: „Xaver Vonmoos hat sich entschlossen, in der UNO-Vollversammlung nicht zu reden.“ Vonmoos hier, Vonmoos dort, an ihm kam nun keiner mehr vorbei. Kaspar Manz war abgehängt, dafür fragten viele Freunde ehrfurchtsvoll, ob Herr Vonmoos nicht mal zu einem Vortrag kommen könne, sofern es sein Terminkalender erlaube und er unseren Club Redliwil überhaupt als Forum für würdig erachte.
Fritz Mühsam schüttelte bedauernd den Kopf: „Nein, im Moment hat er sehr viel mit seiner defekten Heizungsanlage zu tun.“
„Heizungsanlage? Was macht Herr Vonmoos eigentlich?“ fragte ein Freund.
Fritz Mühsam gab zur Antwort: „Er ist mein Hausmeister – ein sehr Netter.“

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