Verfasser: Alexander Hoffmann / Erich Gerber
Kassier Zysset hatte schlechte Laune. Gerade hatte er das rote Sparschwein geöffnet, das er im RC Redliwil bei spontanen Spendenaktionen rundum gehen ließ. Wieder mal fand er nur wenige Scheine, darunter italienische Lire und französische Francs. Außerdem jede Menge Kleingeld, Hosenknöpfe, eine Parkmünze und sogar ein rätoromanisches Kaffeerahmdeckeli. Bitter beklagte er sich im Club über die mangelnde Spendenfreude. Past Präsident Bünzli meinte, er zahle halt lieber per Kreditkarte und Rotarier Schnurrenberger bat um Nachsicht: „Der Schlitz ist schuld.“
„Wie bitte?“
„Durch den Schlitz des Sparschweins passen kaum Scheine.“
Zysset reagierte und ließ beim nächsten Mal einen riesigen Sennenhut mit Schweizer-kreuz kreisen. Doch das Ergebnis war sparschweinmäßig. Nun reichte es dem Kassier.
Zum nächsten Meeting im Gasthof Wohlfahrt brachte er einen Champagnerkübel aus Edelstahl mit und verkündete: „Ich will es knistern, nicht klimpern hören.“ Der ein-drucksvolle Kübel machte seinen Weg durch die Reihen, stets begleitet vom Röntgen-blick und den großen Ohren des Kassiers. Und siehe da, die Erträge stiegen.
Es stieg aber auch das Murren im RC Redliwil. Unmerklich bildete sich eine Anti-Zysset-Gruppe. Es kam der Tag der Vergeltung. Das war, als Zysset bei einem Ausflug die Mitglieder um eine spontane Spende für das bröckelnde Dampfmaschinen-Denkmal im Herzen von Redliwil bat. Leider hatte er nicht den Champagnerkübel parat, sondern nur ein Zigarrenkistchen. Beim Imbiss im Restaurant „Bergluft“ legte er einen Hundert-Franken-Schein in das Kistchen und ließ es an den Tischen ringsum gehen.
Gut gelaunt hörte er, wie sich ein reger Geldverkehr entwickelte, wie es „klapp klapp“ machte. Nach einer Weile kam das Zigarrenkistchen zurück, das Zysset in seiner Aktentasche verstaute. Als er später am häuslichen Schreibtisch das Kistchen öffnete, traf ihn fast der Schlag. Er zählte, einmal, zweimal, dreimal. Und jedes Mal kam er exakt auf 93 Franken und 47 Rappen.