Bei der Neuwahl für die Aufnahmekommission des RC Redliwil setzten
sich überraschend die Hardliner durch mit Rotarier Friedrich an der
Spitze. Und der kündigte an: «Wir kehren zu unseren Wurzeln zurück,
setzen bei neuen Mitgliedern konsequent auf Qualität statt Quantität.»
Da hatte es Alexander Medici, der letzte Progressive im Ausschuss,
schwer. Doch unverdrossen schlug er Florentine Z., stellvertretende
Leiterin des Völkerkundemuseums von Redliwil, für die Aufnahme in den
Club vor.
Ernst Friedrich, seines Zeichens Ehrenpräsident des RC Redliwil,
bügelte ihn ab. «Wir nehmen aus jeder Berufsgruppe nur die Nummer Eins.»
Medici klagte: «Aber Frau Z. ist eminent tüchtig, sie wäre eine
Zierde unseres Clubs. Ausserdem sägt sie bereits emsig am Stuhl ihrer
Vorgesetzten, in spätestens drei Jahren ist sie selbst die Chefin.»
Friedrich blieb unerbittlich. Dafür gewann er gleich drei Einser für
den Club und war mächtig stolz. Leider erwiesen sich zwei der drei
Einser bald als Nullen, zumindest was ihr rotarisches Engagement betraf.
Friedrich ging in sich und rief Medici an. «Geschätzter Freund, ich bin
zu einem Kompromiss bereit. Ich habe schon ein Codewort dafür – Aktion
Sägewerk.»
«Wie bitte?»
«Nun, ich könnte mich auch für aussichtsreiche Stellvertreter
erwärmen, wenn sie uns bei der Aufnahme schriftlich versichern, dass ihr
Sägen am Chefstuhl binnen dreier Jahre erfolgreich abgeschlossen ist.»
Medici war begeistert, doch Florentine Z. zeigte sich bei seinem
nächsten Annäherungsversuch spröde. Sie war mittlerweile beim Lions Club
untergekommen. Auch ansonsten kam die Aktion Sägewerk nicht so recht
voran, und Friedrich setzte wieder auf die harte Linie. Er zog einen
Herrn Zumbrunn aus dem Ärmel, Chief Executive Officer eines Global
Players, eine herausragende Persönlichkeit der Schweizer Wirtschaft.
Zumbrunn wurde im Eilverfahren aufgenommen, die noblen Clubs in
Zürich hatten das Nachsehen. Anlässlich seines Einführungsvortrags wurde
er gebeten, auch ein paar private Worte über seine Familie zu
verlieren. Das tat er gerne und berichtete: «Die Nummer Eins in unserem
Haushalt ist Caligula, unser Kater. Er gewährt uns seit acht Jahren
Wohnrecht in seiner Villa. Die Nummer Zwei ist meine Ehefrau. Ziemlich
weit danach kommt so eine Art Faktotum, zuständig für Geldbeschaffung
und diverse niedere Dienste. Ich bin also nur die Nummer Vier.»