«Bald habe ich ihn so weit», sagte Präsident Bräker zu Clubsekretär
Tgetgel in einer Vorstandssitzung. Es ging um den Kandidaten Obertüfer,
einen jungen, dynamischen, erfolgreichen Chef einer Zahnklinik, der
Interesse an einer Mitgliedschaft im RC Redliwil bekundet hatte. Der
ganze Club war freudig erregt, denn frisches Blut von aussen wurde im RC
Redliwil dringend benötigt.
Doch beim finalen Einstellungsgespräch zeigte sich Obertüfer
überraschend spröde. «Ich bin ja interessiert, lieber Herr Bräker»,
sagte er. «Aber ich habe so Einiges gehört, was man sich rund um den
Redliwiler See so erzählt.»
«So, was denn?»
«Ich habe gehört, dass neue Mitglieder in Ihrem Club eine harte
Lehrzeit durchlaufen, so eine Art Praktikum. Dass sie niedere Dienste
verrichten müssen, wie dem Präsidenten den Wagen waschen oder dessen
Ehefrau in den Beauty-Salon fahren. Also, irgendwie befremdet mich das.»
Bräker war entsetzt. «Wo denken Sie hin, lieber Herr Obertüfer. Ganz
im Gegenteil – wir sind bemüht, unseren neuen Freundinnen und Freunden
den Start ins Clubleben so angenehm wie möglich zu gestalten.»
Dem war in der Tat so. Seit einem Jahr lief das spezielle
Welcome-Wellness-Programm des RC Redliwil für neue Mitglieder. Beim
Meeting in der Heidistube erwarteten sie gepolsterte Sessel mit
Massagefunktion. Ihr Apéro war stets doppelt so gross wie der normale
Drink. Ein Shuttle-Service holte sie zum Meeting ab und brachte sie
wieder nachhause. Bei Clubreisen mit dem Bus durften sie stets in die
Business Class. Jeder Neue hatte einen rotarischen Personal Assistant,
der rund um die Uhr verfügbar war und sei es zum Brötchenholen oder eben
Wagenwaschen. Alle vier Wochen wurden die Neuen zur Qualität des
Clubservice befragt und durften auf einer Skala von 1 bis 10 ihr Votum
abgeben. Bislang hatte der RC Redliwil jedes Mal die Bestnote
erreicht.
Bräker präsentierte Obertüfer einen Prospekt mit dem kompletten
Leistungspaket. «Das sieht schon besser aus!» Obertüfer war beeindruckt
und vier Wochen später heftete ihm Bräker die Nadel ans Revers.
Zuhause erzählte Bräker der Gattin von den bösen Gerüchten über die
niederen Dienste der Neulinge und wie sich dann alles zum Guten gewendet
hatte. Die Gattin wiegte den Kopf: «Nun ja, das mit dem Beauty Salon
ist doch gar keine so schlechte Idee.»